Energiekosten

Europäische Energiekosten im Vergleich - was das für Ihre Stromrechnung bedeutet

In der Industrie ist Strom längst kein Gemeinkostenblock mehr, sondern ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Wer heute in Europa produziert, startet beim Strompreis häufig mit einem strukturellen Nachteil gegenüber Wettbewerbern in den USA oder China - und dieser Nachteil ist messbar.

Industriestrompreise 2024 (relativ)
USA
China
EU
Industriestrompreise 2024 im Vergleich.
Problem

Europa zahlt deutlich mehr für Industriestrom

Aktuelle Auswertungen zeigen:

+100 %
EU vs USA
Für energieintensive Industrien in der EU lagen die durchschnittlichen Strompreise 2024 ungefähr beim Doppelten des US-Niveaus.
+50 %
EU vs China
Rund 50 % über den Preisen, die vergleichbare Industriestandorte in China zahlen.
+65 %
EU gegenüber 2019
Gegenüber 2019 sind die Strompreise für diese Unternehmen in Europa immer noch etwa 65 % höher, obwohl sie seit den Extremen von 2022 wieder etwas gesunken sind.

Die Europäische Kommission und Berichte an die EU weisen darauf hin, dass europäische Unternehmen weiterhin mit Strompreisen konfrontiert sind, die etwa zwei- bis dreimal so hoch sind wie in den USA.

Für Sie heißt das: Auch wenn Sie Ihre Energie professionell beschaffen, tragen Sie als europäischer Industriestandort einen Preisaufschlag, den Wettbewerber in anderen Regionen so nicht haben.

Aufbau

Was Ihre Stromrechnung wirklich treibt

Ihre Stromkosten setzen sich im Kern aus drei Blöcken zusammen.

01

Beschaffung / Energiepreis

Preis für die gelieferte Kilowattstunde Strom.

Getrieben durch Brennstoffpreise, CO₂-Kosten sowie Angebots- und Nachfragesituation auf den Strommärkten.

02

Netzentgelte

Entgelte für Nutzung von Übertragungs- und Verteilnetzen.

Decken Kosten für Ausbau, Instandhaltung und Systemdienstleistungen (zum Beispiel Redispatch bei hoher Einspeisung erneuerbarer Energien).

03

Steuern, Abgaben, Umlagen

Zum Beispiel Stromsteuer, Konzessionsabgabe und verschiedene Umlagen.

Zusammen mit Netzentgelten und Erzeugungskosten einer der drei Hauptbestandteile des Strompreises.

Für viele Industriebetriebe gilt: Beschaffung lässt sich durch gute Verträge optimieren. Netzentgelte und Leistungspreise werden zum blinden Fleck - und sind genau dort, wo flexible Laststeuerung und Batteriespeicher ansetzen.

Leistungspreis

Netzentgelte und Leistungspreise - Lastspitzen als Kostentreiber

Netzentgelte für Strom bestehen typischerweise aus zwei Teilen:

  • einem Arbeitspreis (ct/kWh) für die entnommene Strommenge und
  • einem Leistungspreis (€/kW) für die höchste abgenommene Leistung (Jahreshöchstlast).

Gerade der Leistungspreis ist für Industrieunternehmen kritisch, weil kurze Lastspitzen Ihre Kosten für ein ganzes Jahr treiben können.

Reale Beispiele aus Projekten (Mittelspannung)
Kunde 1
Regionaler Netzbetreiber, Süddeutschland
+64 % in 2 Jahren
2022
131,30 €/kW
2024
215,60 €/kW
Kunde 2
Industriebetrieb, NRW
+64 % in 2 Jahren
2022
94,60 €/kW
2024
155,00 €/kW
Werte aus realen Preisblättern von Netzbetreibern, nicht aus Modellrechnungen.

Das Muster dahinter ist klar: Netzentgelte steigen - und insbesondere die Leistungspreise entwickeln sich für viele Standorte zum schleichenden Margenkiller.

Volatilität

Konstanter Verbrauch, volatile Preise - warum fehlende Flexibilität teuer ist

Das Grundproblem vieler industrieller Standorte ist simpel:

  • Die Produktion läuft relativ konstant, Schichten, Linien und Prozesse lassen sich nur begrenzt verschieben.
  • Der Strompreis am Markt schwankt dagegen stark über den Tag, zwischen Wochentagen und Jahreszeiten.
  • Gleichzeitig entstehen Lastspitzen, wenn mehrere Anlagen gleichzeitig hochfahren oder Lasten sich ungünstig überlagern.

Im europäischen Stromsystem haben sich die Großhandelspreise nach der Krise zwar etwas beruhigt, liegen aber weiterhin deutlich über früheren Jahren und bleiben volatil.

Konkret bedeutet das für Sie:

Steigende Netzentgelte und Leistungspreise drücken Margen

Der notwendige Netzausbau und Systemdienstleistungen schlagen sich in regional sehr unterschiedlichen Netzentgelten nieder. Unternehmen mit hohen Leistungsspitzen zahlen überproportional.

Strompreisspitzen treffen ungepuffert

In Stunden mit wenig Einspeisung (zum Beispiel wenig Wind, wenig Sonne) oder hoher Nachfrage steigen die Großhandelspreise deutlich an. Ohne Flexibilität in Verbrauch oder Speicherung beschaffen Sie genau dann Strom, wenn er am teuersten ist.

Fehlende Verbrauchsflexibilität schwächt Wettbewerbsfähigkeit

Standorte, die Last flexibilisieren, Lastspitzen kappen oder Verbrauch zeitlich verschieben, können ihre spezifischen Energiekosten senken. Wer diese Hebel nicht nutzt, trägt dauerhaft höhere Stromkosten pro Tonne Produkt - in einem Umfeld, in dem Wettbewerber in anderen Regionen ohnehin weniger zahlen.

Diagnose

Woran Sie erkennen, dass Sie ein Stromkostenproblem haben

Typische Signale, die wir in Projekten immer wieder sehen:

  • Strom ist einer Ihrer Top-10-Kostenblöcke in der Produktion.
  • Ihre Netzentgelte und Leistungspreise sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen, obwohl der Energieverbrauch nur moderat gewachsen ist.
  • Sie sehen im Lastgang einzelne kurze Peaks, die Ihre Jahreshöchstlast bestimmen.
  • Ihre Produktion findet überwiegend zu Zeiten statt, in denen Strompreise statistisch erhöht sind (werktags, tagsüber).
  • Sie haben mehrere Standorte, aber keine konsolidierte Transparenz über Lastspitzen, Netzentgelte und spezifische Stromkosten pro Tonne Produkt.

Wenn mehrere dieser Punkte zutreffen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Ihre Stromkosten heute höher sind, als sie sein müssten - und der Standort einer weiteren Verteuerung ausgesetzt ist, unabhängig davon, wie gut Ihr aktueller Liefervertrag aussieht.

Nächster Schritt

Unser Vorschlag für den nächsten Schritt

Statt abstrakt über zu hohe Energiepreise zu sprechen, machen wir das Thema konkret: In einer kostenlosen Standortanalyse zeigen wir Ihnen für Ihre Werke,

Auf dieser Basis entscheiden Sie selbst, ob ein Batteriespeicher für Ihren Standort der richtige Hebel ist - mit belastbaren Zahlen statt Marketingversprechen.

Quellen
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